Acid Jazz: die Anfänge des Jazz im Elektro

Mit dem Ende der 1960er schien auch Jazz nach und nach von der Bildfläche zu verschwinden. Der Wandel von der Populärmusik zur Kunstform, die der Bebop Anfang der 1950er einleitete, sorgte dafür, dass sich andere Musikarten in den Vordergrund stellen konnten.

Gegen Mitte der 1980er Jahre hatte der Jazz jedoch ein Comeback – auf eine sehr ungewöhnliche Art und in einer sehr ungewöhnlichen Szene.

Clubs, Raves, Jazz?

In den 1980er waren Raves auf dem Vormarsch. Vor allem im Vereinigten Königreich waren Techno, House und die dazugehörigen Raves ein wichtiger Teil der Kultur. In genau diesem Umfeld feierte Jazz Mitte der 1980er ein ungewöhnliches Comeback.

DJs waren zu dieser Zeit immer auf der Suche nach neuen Tracks, die sie ihrem Publikum bei Raves und in Clubs präsentieren konnten. Genres wie Techno, House oder Acid waren auf dem Vormarsch. Dennoch waren die Produzenten am Ende ihrer Möglichkeiten, was den Einsatz von nur Drumcomputern und Synthesizern anging. Aus diesem Grund fingen viele DJs und Produzenten an, sich am Hip-Hop zu orientieren. Statt alle Sounds selbst zu produzieren, wurden Samples ein zunehmend wichtigerer Teil für die Clubszene und ihre Songs.

Die beiden DJs Gilles Peterson und Eddie Piller gelten gemeinhin als Erfinder des Begriffs Acid Jazz und als Vorreiter in der Musikrichtung. Als Witz über die enorme Popularität des sogenannten Acid House, nutzten die beiden DJs Jazz-Samples in ihrer Musik und kombinierten diese mit Soul, Funk und teilweise sogar Dancehall und Reggae.

Schneller Aufstieg, schneller Abstieg

Wie bei den meisten Revivals entstand der Hype um Acid Jazz vor allem dadurch, dass DJs alte Jazz-Platten in ihr Repertoire mit aufnahmen und Samples davon in ihrer Musik benutzten. Dadurch kam auch der Jazz wieder an die Oberfläche. Vor allem in der britischen Aci- Jazz-Szene waren Konzerte von klassischen Jazz-Musikern ebenso beliebt wie die Raves der Acid Jazz DJs. Aus diesem Phänomen heraus enstanden auch Liveshows von Acid-Jazz-Musikern, die ihre Songs mit Bands live zum Besten gaben. Viele Jazzmusiker wandten sich jedoch schnell wieder ab von dieser Form der Livemusik, da Acid Jazz in seiner Spielweise sehr restriktiv ist.

Der “Rough Guide Jazz”, ein unregelmäßig neu aufgelegtes Buch mit einer Übersicht über Jazz von damals bis heute, bezeichnete Acid Jazz aus genau diesem Grund auch eher als “Phänomen des Marktes” denn als echten Musikstil. Acid Jazz entstand aus einer Laune heraus und wurde groß, weil das Publikum sich dafür interessierte – starb jedoch sofort wieder, als das Publikum sich einem neuen Hype widmete.

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