Jazz als rassistischer Begriff?

Zwar ist die genaue Herkunft des Begriffs „Jazz“ bis heute nicht geklärt, dennoch scheint eines relativ klar zu sein: Der Begriff tauchte anfangs vor allem im Wortschatz weißer Musiker auf, die damit versuchten, den Stil ihrer afroamerikanischen Kollegen zu beschreiben – was die Frage durchaus nahelegt, ob der Begriff eine gewisse rassistische Konnotation hat, die auch heute noch mitschwingen könnte.

Die Diskussion

Anstoß für die Diskussion war die Aussage des deutschen Musikwissenschaftlers Alfons M. Dauer, der darauf hinwies, dass der Begriff „Jazz“ vor allem als eine Art Stigma gewertet würde. Darauf aufbauend erklärt der Musikwissenschaftler Maximilian Hendler, dass der Begriff nicht auf stilistische, sondern soziale Gegebenheiten anspielen würde.

Die Überlegungen der beiden Musikwissenschaftler bewegten einige afroamerikanischen Jazzmusiker dazu, den Begriff abzulehnen und sich selbst eine andere Bezeichnung zu überlegen. Nicholas Payton, ein Trompeter der vor allem im Neobop große Erfolge feiert, schlug 2011 vor, den Begriff „Jazz“ durch den Begriff „Black American Music“, kurz „BAM“, zu ersetzen. Der Vorschlag wurde auch von anderen afroamerikanischen Musikern begrüßt und in diversen Diskussionen beleuchtet. Jedoch gab es bisher keine Änderung des Begriffs – wohl auch wegen der Tatsache, dass viele Fans des Jazz, ob Afroamerikaner oder nicht, den Begriff als solchen nicht unbedingt mit Rassismus in Verbindung bringen. Ein Gegenargument ist sogar, dass es so unklar sei, woher der Begriff wirklich kam, dass die Erklärung für den rassistischen Hintergrund des Wortes so stark konstruiert seien, dass man sie genauso umdrehen und den Begriff als Stärkung der afroamerikanischen Musiker und ihrer Vergangenheit und Kultur werten könnte. Ein besonderes Augenmerk bei dieser Argumentation legen die Vertreter auf die Nähe des Begriffs zu den Bezeichnung für afrikanische Tänze wie dem jasi oder dem yas.

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